Teil 1 unseres Krypto-Glossars hat die Grundlagen und Bitcoin erklärt. In Teil 2 geht es um Ethereum, die zweitgrößte Kryptowährung, und um alles, was darauf aufbaut: Smart Contracts, dezentrale Apps, DeFi, NFTs und DAOs. Wo wir einen Begriff in einem anderen Artikel ausführlicher erklären, verlinken wir dorthin.

Teil 1 – Grundlagen und Bitcoin

1. Ethereum und Ether

Ethereum ist nach Bitcoin das zweitgrößte Krypto-Projekt. Neben der eigenen Währung Ether (Kürzel: ETH) waren Smart Contracts von Anfang an die zentrale Idee des Netzwerks: Programme, die direkt auf der Blockchain laufen (siehe Abschnitt 6). Als Erfinder und Mitbegründer von Ethereum gilt der russisch-kanadische Entwickler Vitalik Buterin; das Netzwerk startete 2015.

Wie bei Bitcoin wurden die Transaktionen im Ethereum-Netzwerk lange von Minern bestätigt. Im September 2022 stellte Ethereum mit dem Update „The Merge“ auf Proof-of-Stake um (siehe Abschnitt 3).

2. Gas und Gwei

Gas ist die Maßeinheit für den Rechenaufwand im Ethereum-Netzwerk: Jede Transaktion, jeder Smart Contract und jeder Befehl verbraucht eine bestimmte Menge Gas. „Gas“ ist sozusagen der Treibstoff des Netzwerks. Die Gebühr ergibt sich aus der verbrauchten Menge Gas mal dem Gas-Preis.

Der Gas-Preis richtet sich nach Angebot und Nachfrage im Netzwerk. Seit 2021 besteht er aus zwei Teilen: einer Grundgebühr, die vom Netzwerk festgelegt und anschließend vernichtet („verbrannt“) wird, und einem freiwilligen Trinkgeld an den Validator. Wer ein höheres Trinkgeld zahlt, wird bevorzugt und damit schneller abgearbeitet.

Angegeben wird der Gas-Preis meist in Gwei. Ein Gwei ist ein Milliardstel Ether: 1 Ether entspricht 1.000.000.000 Gwei. Die kleinste Einheit von Ether heißt Wei; 1 Gwei sind wiederum 1 Milliarde Wei.

3. Proof-of-Stake und Staking

Proof-of-Stake ist neben Proof-of-Work (siehe Teil 1) das zweite große Verfahren, mit dem sich ein dezentrales Netzwerk auf gültige Transaktionen einigt. Statt Rechenleistung zählt hier der Einsatz, der „Stake“: Validatoren hinterlegen Coins der jeweiligen Kryptowährung als Pfand – bei Ethereum mindestens 32 ETH pro Validator (Quelle). Dieses Hinterlegen nennt man Staking.

Ein Zufallsverfahren wählt aus, welcher Validator den nächsten Block vorschlagen darf; die anderen prüfen und bestätigen ihn. Wer mehr hinterlegt hat, wird häufiger ausgewählt und erhält dafür eine Belohnung. Wer dagegen betrügt, etwa zwei widersprüchliche Blöcke vorschlägt, verliert einen Teil seines Einsatzes oder sogar alles. Diese Strafe heißt „Slashing“ und ist der eigentliche Schutzmechanismus.

Als normaler Nutzer muss man dafür keinen eigenen Validator betreiben: Viele Börsen und Apps bieten Staking an und geben einen Teil der Belohnung als Rendite weiter.

Proof-of-Work und Proof-of-Stake im Vergleich: wer den nächsten Block bauen darf, was man einsetzt, was bei Betrug droht und wie viel Energie gebraucht wird
Proof-of-Work und Proof-of-Stake im Vergleich (Grafik: Silver and Bold)

Im Unterschied zum Proof-of-Work ist das Staking deutlich ressourcenschonender. Es ist keine teure Hardware nötig, weil die rechenintensive Aufgabe entfällt; laut Ethereum-Stiftung sank der Stromverbrauch des Netzwerks durch die Umstellung um rund 99,95 % (Quelle). Es gibt allerdings Uneinigkeit darüber, ob Proof-of-Stake eine ähnliche Sicherheit bieten kann wie Proof-of-Work. Denn das Verfahren bevorzugt jene Teilnehmer, die eine größere Menge der Kryptowährung besitzen oder kontrollieren. Das verstärkt die Gefahr von Monopolen oder Oligopolen, was wiederum Manipulationen der Blockchain erleichtern würde.

Nach Auffassung vieler Proof-of-Work-Befürworter ist der Strompreis zudem ein wichtiger Bestandteil des Schutzmechanismus der Blockchain, da ein Angriff auf das Netzwerk dadurch sehr teuer ist.

4. Token und Coin

Die Begriffe werden oft gleichbedeutend verwendet, meinen aber genau genommen Verschiedenes. Ein Coin ist die eigene Währung einer Blockchain, etwa Bitcoin oder Ether. Ein Token läuft dagegen auf einer fremden Blockchain und wird dort per Smart Contract erzeugt. Auf Ethereum folgen die meisten Token einem gemeinsamen Standard namens ERC-20; deshalb lassen sie sich mit jeder Ethereum-Wallet verwahren und verschicken.

5. Stablecoin

Ein Stablecoin ist eine Kryptowährung, deren Wert an eine stabile Größe gekoppelt ist – meist an den US-Dollar oder den Euro. Der Anbieter hinterlegt dafür Reserven, etwa Bankguthaben oder Staatsanleihen. Bekannte Beispiele sind Tether (USDT) und USD Coin (USDC) für den Dollar sowie EURC für den Euro. Stablecoins dienen vor allem als stabiler „Parkplatz“ zwischen zwei Trades und als Zahlungsmittel innerhalb von DeFi (siehe Abschnitt 9).

In der EU gelten für Stablecoins seit Mitte 2024 strenge Regeln nach der Krypto-Verordnung MiCA. Einige Börsen haben deshalb Stablecoins ohne MiCA-Zulassung für EU-Kunden aus dem Angebot genommen – die Börse Coinbase etwa Ende 2024 den Dollar-Stablecoin USDT des Anbieters Tether (Quelle).

6. Smart Contracts

Ein Smart Contract ist ein programmierbarer, digitaler Vertrag, der die vereinbarten Bedingungen automatisch ausführt. So können Verträge dezentral und ohne Mittelsmänner aufgesetzt, eingegangen und automatisch erfüllt werden.

Ethereum war das erste Kryptoprojekt, das Smart Contracts als zentrales Element eingeführt hat. Als Urvater des Smart Contract gilt der Informatiker und Jurist Nick Szabo, der den Begriff schon in den 1990er-Jahren prägte.

Die Kehrseite: Was einmal auf der Blockchain läuft, lässt sich kaum noch ändern – auch Programmierfehler nicht. Das bekannteste Beispiel ist der Angriff auf „The DAO“ im Juni 2016, einen Investmentfonds in Form eines Smart Contracts (siehe Abschnitt 11). Ein Angreifer nutzte eine Lücke im Code und zog rund 3,6 Millionen Ether ab. Um das Geld zurückzuholen, änderte die Ethereum-Gemeinschaft per Software-Update nachträglich die Blockchain. Nicht alle machten mit: Die alte, unveränderte Kette existiert bis heute als eigene Kryptowährung „Ethereum Classic“ (Quelle).

7. Solidity

Solidity ist die wichtigste Programmiersprache für Smart Contracts auf der Ethereum-Blockchain. Sie wurde 2014 vorgestellt und hat einige Ähnlichkeiten mit der Programmiersprache JavaScript.

8. Dezentrale Apps (dApps)

dApps sind Anwendungen, deren Kern nicht auf dem Server eines Anbieters, sondern auf einer Blockchain läuft. Die Oberfläche – also das, was man auf dem Bildschirm sieht – funktioniert wie bei jeder anderen App oder Webseite und kann ganz normal auf dem Computer, dem Smartphone oder bei einem Webhoster liegen. Das Besondere: Die Logik der Anwendung steckt in Smart Contracts, und die Daten wie Guthaben, Werte oder Einstellungen werden nicht zentral beim Anbieter, sondern dezentral auf der Blockchain gespeichert. Der Zugriff erfolgt über die eigene Wallet, ein Benutzerkonto beim Anbieter braucht es nicht.

Der wohl bekannteste Anwendungsfall sind dezentrale Börsen (DEX, Decentralized Exchange), siehe nächster Abschnitt. Neben Ethereum unterstützen inzwischen viele weitere Blockchains dApps, etwa Solana.

9. DeFi – Decentralized Finance

DeFi steht für ein dezentral organisiertes Finanzsystem. Der Begriff ist der Oberbegriff für eine Vielzahl von Finanzdienstleistungen, die über Smart Contracts umgesetzt und automatisch abgewickelt werden. Eine Bank oder ein anderer Vermittler ist dabei nicht nötig; man braucht lediglich eine Wallet, die sich mit der jeweiligen Blockchain verbinden kann.

Zu den großen Anwendungsgebieten gehören:

  • Dezentrale Börsen (DEX): Bekannte Beispiele sind Uniswap auf Ethereum, Aerodrome auf dem Ethereum-Layer-2 Base oder Raydium auf Solana. Eine Sonderrolle spielt Hyperliquid: eine eigene Blockchain, die vor allem auf den Handel mit Derivaten ausgelegt ist.
  • Verleihen und Leihen: Man verleiht Kryptowährungen gegen Zinsen oder leiht sich welche gegen eine Sicherheit. Bekanntestes Beispiel ist Aave: Wer dort etwa Ether als Sicherheit hinterlegt, kann sich Stablecoins wie USDC leihen – allerdings immer weniger, als die Sicherheit wert ist. Fällt der Kurs der Sicherheit zu stark, wird sie automatisch verkauft, um den Kredit zu tilgen.
  • Tokenisierte Aktien und andere reale Werte (Real World Assets): Seit 2025 lassen sich auch Aktien und ETFs als Token handeln. Anbieter wie xStocks (auf Solana) oder Ondo Global Markets hinterlegen dafür echte Wertpapiere und geben je Aktie einen Token aus (Quelle). Solche Token sind allerdings nicht in allen Ländern verfügbar, in den USA zum Beispiel nicht – und wer sie hält, ist in der Regel kein Aktionär mit Stimmrecht.

DeFi hat auch Risiken: Fehler im Code können ausgenutzt werden (siehe Abschnitt 6), Plattformen werden gehackt, und eine Einlagensicherung wie bei der Bank gibt es nicht.

10. NFTs

NFT steht für Non-Fungible Token, also einen nicht austauschbaren Token. Damit werden Krypto-Token bezeichnet, die einzigartig sind und nicht beliebig vermehrt werden können. Sie bilden so ein knappes oder einzigartiges Gut im digitalen Raum ab – eine Art digitales Eigentumszertifikat. Bislang sind NFTs meist auf digitale Produkte beschränkt, könnten künftig aber auch im realen Leben Anwendung finden. Mögliche Anwendungsgebiete:

  • Digitale, limitierte Kunstwerke
  • Digitale Sammelkarten sowie Gegenstände und Kleidungsstücke in virtuellen Welten und Spielen
  • Digitale Vermögenswerte, etwa Einlagen in Liquiditätspools auf dezentralen Börsen
  • Tickets, Ausweise, Zeugnisse oder andere Dokumente
  • Eigentumsverhältnisse, etwa an Immobilien

Ihren großen Hype erlebten NFTs in den Jahren 2021 und 2022, als einzelne digitale Bilder für Millionenbeträge verkauft wurden. Danach brachen Handel und Preise stark ein.

11. DAO

DAO steht für „Decentralized Autonomous Organization“, also eine dezentrale autonome Organisation. Ihre Regeln sind in einem möglichst transparenten, quelloffenen Programmcode festgelegt: Transaktionen, Eigentumsverhältnisse, Rechte und sonstige Regeln werden dezentral auf einer Blockchain fälschungssicher aufgezeichnet. Ziel ist meist der Verzicht auf Mittelsmänner, eine zentrale Stelle, Behörde oder Regierung – und deren möglichen Machtmissbrauch.

Entscheidungen trifft eine DAO per Abstimmung: Wer ihre sogenannten Governance-Token hält, darf mitstimmen, und wer mehr Token hat, hat mehr Stimmen. Auf diesem Weg lässt sich in vielen DAOs auch der Programmcode selbst ändern. Wie riskant Fehler im Code sein können, zeigt das Beispiel „The DAO“ (siehe Abschnitt 6).

Das Wichtigste in Kürze

  • Ethereum ist die zweitgrößte Kryptowährung; ihre zentrale Idee sind Smart Contracts, also Programme auf der Blockchain.
  • Gas misst den Rechenaufwand, Gwei ist die übliche Einheit für den Gas-Preis.
  • Beim Proof-of-Stake ersetzt ein hinterlegter Einsatz die Rechenarbeit; wer betrügt, verliert ihn.
  • Stablecoins sind an Dollar oder Euro gekoppelt und unterliegen in der EU der MiCA-Verordnung.
  • DeFi bietet Börsen, Kredite und inzwischen auch tokenisierte Aktien ohne Bank – mit eigenen Risiken.

Ausblick

Das war Teil 2 unseres Krypto-Glossars. Die Grundlagen – Blockchain, Wallet, Mining, Bitcoin und Layer 2 – stehen in Teil 1. Wie Bitcoin im Detail funktioniert, erklärt unsere Serie ab Bitcoin erklärt – Teil 1.